Momente

621727_447312068624741_669900512_o

Für welche Momente lebt man?

Ich schreibe den Satz auf, schaue ihn an, zerknülle dann das Papier. Meine Hand liegt nun flach auf dem Tisch. Ich zähle die Falten auf meinem Ringfinger. Es sind über fünfzig. Hände sind faltiger als der Rest des menschlichen Körpers. Vielleicht, weil sie am meisten erleben. Meine Finger haben Ähnlichkeit mit dem zerknüllten Papier. Faltig, weiß und fast durchscheinend.

Ich hebe es vom Boden auf und streiche es wieder glatt.

Für welche Momente lebt man?

Mir hat mal jemand gesagt, dass man ohne Reue leben solle. Aber was ist schon Reue. Wie wird Reue gemessen? In Gedanken, die man an den verstrichenen Moment verschwendet? In Tränen, die man dafür vergießt? Oder in Menschen, die man enttäuscht hat? Es gibt keine Maßeinheit. Keine Skalierung, an die man sich halten könnte. Reue ist wie das Blatt Papier. Blass und durchscheinend und faltig. Reue bleibt nicht ewig. Man wird zusammen alt. Sie vergilbt. Wird kraus an den Ecken.

Ich starre die Worte an. Fahre jeden einzelnen Buchstaben mit meinen Augen nach.

Für.

So ein unschuldiges kleines Wort. Drei Buchstaben. Nicht mehr, nicht weniger. Aber wiegen tun sie schwer. Sie drücken Abhängigkeit aus. Den Wunsch in einem, nicht alleine dazustehen. Nicht ohne Sinn und Zweck durch die Straßen zu wandern. Durch den tiefen Schuld-Kies zu waten, die kleinen Momente aus denen das Leben besteht zu erklettern. Für. Etwas. Jemandem. Ein ständiges Ziel.

Nein, dieses Wort wiegt zu viel.

Ich streiche es durch und ersetze es, füge ein N hinzu.

In welchen Momenten lebt man?

Besser.

Ein Lichtstrahl fällt durch das Fenster. Die Staubkörner tanzen darin. Scheinen sich über die Wärme und Helligkeit zu freuen. Lebe ich in diesem Moment?

Wie lang ist eigentlich ein Moment? Ist er jetzt vorbei? Oder jetzt? Können Momente in Abschnitte geteilt werden oder fließen sie ineinander über? Mir scheint es falsch, Momenten ein Ende zu geben. Keine Einheit, keine Skalierung.

So wie das Leben.

Ich starre auf das Papier. Die Worte verschwimmen vor meinen Augen. Zerfließen in wichtig und unwichtig. In Bedeutungsschwere und Belanglosigkeit. Ich streiche sie durch. Nicht alle. Das wichtige bleibt.

Lebt man?

„Mordsmäßig unverblümt“ hau ich hier schon mal eine Leseprobe raus …

Eigentlich wollte ich ja noch ein wenig warten. Doch dann fiel mir ein: Ich bin ein sehr ungeduldiger Mensch. Also habe ich gleich mal eine Leseprobe von meinem neuen Frauenkrimi „Mordsmäßig unverblümt“ hochgestellt, der ab dem 26. April zu kaufen ist.

Hier erst einmal der Klappentext:

Wenn man innerhalb eines Tages einem Polizisten auffähr9783945298725t und einen Finger in einem alten Holzkästchen findet, kann das durchaus zu Stress führen. Wenn sich der leitende Ermittler aber als ebendieser Polizist herausstellt, man sich um das eigene Blumengeschäft, die verantwortungslose Schwester und die unfähige 70-jährige Mitarbeiterin kümmern muss, ist Chaos vorprogrammiert.

Doch Louisa Manu ist fest davon überzeugt, dass sie den Fall aufklären und gleichzeitig ihr Leben in den Griff kriegen wird. Schließlich ist sie neugierig, clever, motiviert – und fast nicht überfordert …

Naa, gibt es Meinungen zum Cover?🙂 Wurde ja heiß diskutiert …

Leseprobe “Mordsmäßig Unverblümt”

Eine noch längere Leseprobe gibt es hier :)

Wer sich nach der Leseprobe denkt: Ach, das Buch hätte ich gerne … das am besten kostenlos, der kann sich noch bis nächste Woche bei einer Lovelybooks-Leserunde bewerben! Und zwar hier.

 

Die 15 häufigsten Sätze aus dem Mund eines Autors

Sherlock

Genau wie ein Chef vielleicht dauernd „Ich brauch das bis morgen!“ ruft oder eine Mutter irgendwann nicht mehr zählen kann, wie oft sie schon „Jetzt räum endlich dein Zimmer auf!“ gefordert hat, gibt es auch gewisse Sätze, die einem Autor (und ja, auch einer Autorin!) dauernd durch den Kopf gehen. Und gerade, wenn man dann mit jemand anderem zusammen schreibt, fallen diese besonders auf. Hätten die liebe Saskia und ich, während wir zusammen Szenen durchgeplant und Geschichten weitergesponnen haben, jedes Mal einen Euro in ein Glas getan, wenn einer dieser Sätze fiel – tja, dann könnten wir davon jetzt einen schönen Urlaub machen. Stattdessen haben wir sie für euch gesammelt,  sodass ihr euch schön vorstellen könnt, wie wir über unseren Geschichten verzweifeln.

Ihr seid herzlich willkommen, die Liste zu ergänzen!

Alle Autoren:

  1. Ach, so hatte ich mir das gedacht!
  2. … das macht doch keinen Sinn.
  3. Das hatte ich aber mal anders geplant!
  4. Wie und warum weiß ich auch noch nicht so genau.
  5. Das sollte ich vorher nochmal andeuten.
  6. Was für ein Zufall … das passt ja sogar!

Fantasy Autoren:

  1. Wen lasse ich denn jetzt sterben?
  2. Wie schaffe ich es denn jetzt, dass die von A nach B kommen, ohne dass ich hundert Seiten schreiben muss?
  3. Ach, scheiße, das kann der ja gar nicht!
  4. Och nee, der braucht einen besseren Tod!
  5. Hier passt doch ein Vater-Komplex.
  6. Ich dachte, die Szene wird länger …
  7. … hab ich das schonmal irgendwo gelesen?
  8. Mhm … aber wo kommt denn dann die Szene hin?
  9. Wie mache ich das Ganze denn jetzt noch in Logisch?

 

Bildquelle: pinterest.com

Marie Weißdorn & Saskia Louis

 

 

 

 

Lieber Innerer Schweinehund …

3_1

Lieber Innerer Schweinehund,

wir sind in unserer Beziehung an einem Punkt angelangt, an dem es nichts mehr nützt, zu diskutieren. Denn man kann einfach nicht vernünftig mit dir reden!

Morgens, wenn ich im Bett liege, flüsterst du mir ins Ohr, dass es schon in Ordnung wäre, noch ein Weilchen liegen zu bleiben. Wenn sich die Texte, die ich für die Uni lesen müsste, auf meinem Schreibtisch stapeln, dann redest du mir ein, dass ich den Fernseher anschalten solle.  Ich studiere ja schließlich Medien – da wäre Fernsehen ja fast schon so etwas wie lernen. Und wenn ich den Boden in meinem Zimmer nicht mehr sehen kann, zwinkerst du mir zu und erzählst mir, Unordnung sei eigentlich Gehirnjogging. Denn so müsste ich mich daran erinnern, wo ich was hingestellt habe und Aufräumen sei nur für Leute, die zu faul zum Denken wären. So geht das jetzt seit Jahren. Ich gebe dir einfach zu viel Macht. Jedes Silvester versuche ich, dich zu bezwingen, doch sobald auch die letzte Rakete von den Gehwegen gewischt wurde, stehst du wieder vor der Tür und ich heiße dich mit offenen Armen willkommen.

Doch jetzt wird ein Schlussstrich gezogen!

Nach all der Schokolade, die du mich essen lässt, muss jetzt ein härteres Regiment geführt werden: Wir werden Sport machen!

Egal, was für verdrehte Fakten du mir übers Fitnessstudio erzählst. Entgegen deiner Meinung, ist Sport keine Einstiegsdroge für Adrenalinjunkies. Ein Fitnessstudio ist auch keine Strohfirma für die Steroidenmafia. Genauso wenig wie es ein illegales Set für einen Porno ist.

Und bevor du mir jetzt gleich wieder andere Ausreden in den Mund legst, nehme ich dir lieber sofort den Wind aus den Segeln: Nein, wenn es regnet, ist es nicht unverantwortlich der Umwelt gegenüber, das Haus zu verlassen, weil man seine Wäsche dann öfter waschen muss. Nein, bei Sonne ist es nicht deine Pflicht, die Wärme auszunutzen, nur weil du nicht weißt, wann es das nächste Mal warm ist. Es ist weder zu früh noch zu spät, noch schlecht für meine Haut, wenn ich zweimal am Tag Dusche, und meine Sportsachen sind nicht alle in der Wäsche.

Und ein für alle Mal: Stepper können nicht lachen! Sie quietschen nur – kein Gerät macht Witze auf unsere Kosten. Ja, unser Gesicht wird rot, ja es ist anstrengend, ja, es ist Zeit, die wir für etwas anderes brauchen könnten. Aber wir bezahlen schließlich auch was und ich dulde es nicht mehr, dass du bei jedem Streit die Überhand hast.

Also. Auf, auf. Schwing deine Haxe oder Pfoten (Je nachdem welcher Teil in dir gerade stärker ist. Das Schwein oder der Hund) und komm mit. Die netten Leute mit den Turnschuhen warten auf dich.

Freundlicher Gruß

 

Saskia (deine bessere Hälfte)

 

Quelle Foto: http://www.info-praxisteam.de/2012/02/3_Editorial.php

Heiße Liebe – Der Monolog einer Kaffeemaschine

good-morning-with-coffee-heart

 

Wow. Da kommt sie wieder. Völlig verschlafen und vollkommen ahnungslos, was um sie herum vorgeht. Sie kann ja ihre Augen nicht einmal richtig öffnen! Trotzdem muss sie doch sehen können, dass ich die einzige Lösung für ihr Problem bin! Nun, vielleicht nicht die einzige, aber zumindest die effektivste.

Es scheint ein besonders schlimmer Morgen zu sein. Wenn sie mit jedem Gähnen Helium einsaugen würde, hinge sie jetzt an der Decke.

Ja. Heute ist mein Tag. Ich kann es spüren. Da ist so eine elektrische Spannung zwischen uns – die es auch gäbe, wenn ich nicht eingestöpselt wäre, da bin ich mir sicher! Nein, nein. Sie kann mich nicht schon wieder ignorieren. Kein Tee der Welt kann ihr heute helfen.

Ja, lieber Wasserkocher, du hast richtig gehört! Heute keine Arbeit für dich! Gewöhn dich lieber an deine innere Leere. Ich wurde frisch geputzt und sehe glänzend aus: niemand kann mir widerstehen.

Sie kommt näher. Ist schon um den Tisch herum und ignoriert Gott sei Dank den blöden Köter, der immer versucht, mich von der Anrichte zu schmeißen. Tja, Fifi! Hunde sind nicht die besten Freunde des Menschen, Koffein ist es!

Mhm. Puh. Jetzt fährt sie sich auch noch mit ihren Händen durch die Haare. Wow. Der Schwung dieser langen, sanften Finger… sie sehen aus, als wüssten sie genau, wie man meine Knöpfe drücken muss.  Und dann auch noch dieses Lippenlecken! Das macht sie doch mit Absicht. Wenn ich nur daran denke: ihre Finger und dann ihre Lippen…

Uhh, da wird mir ja ganz heiß.

Oh. Nein. Ich wurde gerade angestellt.

Hey, Leute, lasst das! Ich möchte doch nicht jetzt schon mein ganzes Pulver verschießen!

Verdammt! Ihre Mitbewohnerin ist ihr zuvor gekommen. Ich hab sie nicht einmal gesehen, geschweige denn gespürt und jetzt fang ich schon wieder an, zu brodeln – dabei wollte ich doch ihr Erster sein!

Okay. Der Erste für heute.

Was soll ich sagen? Ich bin was ich bin.

Es ist nicht meine Schuld. Man berührt mich, ich reagiere. So wie jede andere Kaffeemaschine eben auch.

Egal. Kann ja nicht schaden, noch ein wenig Erfahrung zu sammeln. Sie versteht das sicherlich. Sie wird mir sogar dankbar sein, wenn unsere Beziehung ein nicht ganz so bitteres Ende nimmt …

Ja, ich mach ja schon! Jetzt hör auf, auf meinen Rücken zu trommeln, Mitbewohnerin – ich bin kein Schlagzeug! Ich brauch eben eine Weile, bevor ich richtig in Fahrt komme.

Und geht es noch ein wenig liebloser, wie du die Tasse in meinen Bauch rammst!? Ich bin von komplexer Natur, okay! Nicht jede Kaffeemaschine kann immer und überall und … oh, nein, ich will nicht, wirklich! Ich wehre mich, doch diese Hitze …

Huh. Mist.

Na gut. Nicht meine Schuld. Dieser Hebel ist meine Schwachstelle. Immer, wenn er zu viel Aufmerksamkeit bekommt, dann kann ich einfach nicht anders als …- zu explodieren!

Wenigstens ist jetzt auch diese Schwere in meinem Bauch weg. Und hey! Ich verströme ordentlich Pheromone – wenn sie mir jetzt noch widerstehen kann, dann weiß ich auch nicht mehr. Mein Aroma ist unvergleichbar! Was ich ihr bieten kann, bekommt sie von keinem Anderem. Und ist sie erst einmal am Haken, wird sie mich täglich benutzen! Das ist doch alles, was ich will. Einmal so richtig schön von ihr benutzt werden!

Aber bitte nicht jetzt sofort.

Ich brauche erst einmal eine Verschnaufpause. Gib mir fünf Minuten und ich kann wieder loslegen.

Ja, trink ruhig einen Schluck Wasser. Neutralisier dich erst einmal, bevor du … – Moment! Nein.

Stopp! Nimm den Arm da wieder runter!

Das kann nicht ihr ernst sein!

Er ist ein Blender, Süße! Schöne Verpackung, aber nichts dahinter. Er verschießt nur Platzpatronen – kein Koffein, kein gar nichts! Er wird dir nicht helfen. Du interessierst ihn doch nicht die Bohne!  Alle seine Versprechungen lösen sich auf, sobald er in Berührung mit seiner wahren Liebe kommt – dem Wasser.

Ich meine: er heißt Caro Kaffee, Herrgott! Schon alleine der Name sollte dich doch stutzig machen!

Und nimm nicht auch noch den Wasserkocher. Der ist viel zu alt für dich! Komplett verkalkt! Im Schrottmüll gibt es einen Platz mit seinem Namen drauf – ich meine, seine Haut ist doch schon ganz grau und … wow, das tut weh.

Mist, jetzt fang ich auch noch an zu weinen.

… und natürlich ist es die Mitbewohnerin, die meine Tränen trocknet.  Als wäre mein Leben nicht schon bitter genug.

 

good-morning-with-coffee-heart.jpg
Bildquelle: 

http://www.1freewallpapers.com/good-morning-with-coffee-heart/de

Das Ziel eines Autors – „Jede Art zu schreiben ist erlaubt, nur nicht die langweilige“ (Voltaire)

Start und Ziel

Gestern hat mich jemand gefragt, ob ich denn jetzt, wo ich mein erstes Buch veröffentlicht habe, zufrieden wäre. Ob mein Ziel erreicht wäre.

Ich hab die dreiste Fragenstellerin für drei Minuten stumm angestarrt und dann ein ausdrucksstarkes „Ähh …“ zustande gebracht.

Ob mein Ziel erreicht wäre. Das war die falsche Frage. Die richtige wäre gewesen: Was ist dein Ziel?/War dein Ziel/ Könnte dein Ziel werden?

Die Frage hat mich beschäftigt und ich muss offen sagen, dass ich immer dachte, ich wüsste genau, was mein Ziel war: Endlich das Buch veröffentlichen und dann weitersehen. Nur … der „weitersehen“-Part birgt einige Probleme bei meiner Zielformulierung. Worauf steuere ich eigentlich zu? Oder warum mache ich das, was ich tue?

Was also ist eigentlich das Ziel eines Autors?

Von Anderen gelesen werden

„Wenn ein Autor behauptet, sein Leserkreis habe sich verdoppelt, liegt der Verdacht nahe, dass der Mann geheiratet hat.“

(William Beaverbrook (1879 – 1964), engl. Politiker und Zeitungsverleger)

„Das Ziel des Schreibens ist es, andere sehen zu machen.“

(Joseph Conrad (1857-1924), brit.-poln. Autor)

Natürlich möchte ein Autor, dass seine Werke von mehr Leuten als von seiner Familie und seinen engsten Freunden gelesen (und selbstverständlich auch gemocht) werden. Man möchte unterhalten!

Fremde Menschen erreichen und sie zum Lachen, Weinen und Nachdenken anregen – das ist das, was ich mir wünsche. Je weniger ich den Menschen kenne, desto besser. Das war letztendlich auch der Grund, warum ich überhaupt mit dem Schreiben angefangen habe. Ich habe für mein Leben gerne gelesen und war fasziniert davon, was einfache Worte in einem bewirken können. Menschen beeinflussen Menschen – meist, ohne dass sie es selbst merken. Als Autor ist man Teil von dem Leben anderer – ohne dass ihnen oder ihm selbst das vollkommen bewusst wäre.

 

Reich und Berühmt werden

„Erfolg hat drei Buchstaben: TUN“

(Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832), dt. Dichter und Schriftsteller)

Als ich vierzehn war hat meine Mutter mich gefragt, warum ich denn lieber berühmte Autorin, anstatt beispielsweise berühmte Sängerin werden würde. Meine Antwort war einfach: „Als Autor kann man berühmt und reich werden, ohne dass Menschen einen stalken, auf der Straße erkennen und ständig anschreien!“

Nun, bevor das Ziel direkt „berühmt und reich werden“ heißt, sollte man vielleicht erst einmal einen Schritt zurück machen.

Erstes, bescheideneres – und trotzdem genauso hoch gegriffenes – Ziel:

Vom Schreiben leben können.

Es gibt kaum Autoren, die sich vom Schreiben mehr als den monatlichen Benzinverbrauch bezahlen können. Erfolg wird an Geld gemessen und das setzt Autoren ganz schön unter Druck.

Wenn sie jetzt keine 200 Bücher im ersten halben Jahr verkaufen – haben sie dann versagt? Ist ihr Ziel dann missglückt?

Merkwürdigerweise ist das auch immer die erste Frage, die Menschen, denen ich begegne, stellen: „Und? Wie viele Bücher hast du denn jetzt schon verkauft? Wirst du jetzt reich?“

Die Lachanfälle, die ich aufgrund dieser Frage bekommen habe, kann ich nicht mehr an meinen Fingern abzählen. Ich meine immer nur: „Klar, bin ich reich! Das ist die grundlegende Regel, wenn man ein Buch veröffentlicht! Ich verstecke meine Millionen nur unter meinem Bett, damit keiner von meinen Freunden plötzlich verlangt, dass ich ihnen die Anzahlung auf ein Einfamilienhaus vorstrecken soll!“

Für Menschen, die Sarkasmus nicht verstehen: NEIN! Von einem veröffentlichten Buch wird man über Nacht nicht reich (Wer hätte das ahnen sollen …). Aber das ist auch ganz sicherlich nicht mein direktes Ziel. Es wäre ein Traum, vom Schreiben leben zu können (das mit dem reich und berühmt werden lasse ich jetzt mal außen vor), aber eigentlich ist das Ziel, was bei mir immer am schwersten gewogen hat, der nächste Punkt:

Sich selbst verwirklichen

„Schreiben ist eine köstliche Sache; nicht mehr länger man selbst zu sein, sich aber in einem Universum bewegen, das man selbst erschaffen hat.“

(Gustave Flaubert (1821 – 1880), französischer Erzähler und Novelist)

„Wir finden in den Büchern immer nur uns selbst. Komisch, dass dann allemal die Freude groß ist und wir den Autor zum Genie erklären.“

(Thomas Mann (1875 – 1955), dt. Schriftsteller)

Sich fallen lassen, für ein paar Stunden aus der Realität fliehen und in eine andere, nicht unbedingt bessere, aber in eine Welt mit größeren Möglichkeiten verschwinden. Mich selbst mit dem was ich tue begeistern. Wie könnte ich von Menschen verlangen, etwas von mir zu lesen, wenn ich selbst nicht dahinter stehe? Wenn ich nicht selbst über meine Witze lache und über meine Einfälle sinniere?

Bevor man sich auf die Leser konzentrieren kann, muss man erst einmal sich selbst in dem Buch wiederfinden. Denn wenn man sich selbst nicht im Buch findet, dann ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass sich auch niemand anderes dort erkennen kann.

Also, was war jetzt noch gleich das Ziel!?

Vielleicht ist das Schreiben wie dieser Spruch von Konfuzius, den alle Therapeuten bei sich rumstehen haben: „Der Weg ist das Ziel“. Denn eigentlich gibt es in meinem Leben als Autorin kein direktes „Zufriedenheitsgefühl“. Ist die eine Geschichte vorbei, dann wartet um die Ecke bereits die nächste. Ich bin glücklich, wenn ich ein Buch beendet habe – obwohl ich gleichzeitig weiß, dass das Buch nie beendet sein wird. Denn egal wie oft man seine Geschichten liest, umschreibt und umwirft. Ein Werk ist eigentlich nie vollkommen fertig gestellt. Also was ist das Ziel?

Über mich hinauswachsen, Menschen berühren und erreichen und auf dem Weg dorthin eine Menge über mich selbst mitnehmen. Denn seien wir ehrlich: Ein Autor, der nicht dauernd neue Dinge über sich selbst lernt, kann auch nicht andauernd neue Dinge in Romane verpacken.

Aber eigentlich bräuchte ich gar kein Ziel, um zu schreiben. Ich muss es so oder so tun – ansonsten würde ich schlichtweg platzen! Und wer macht diese Sauerei dann weg!?

„You fail only if you stop writing.“

(Ray Bradbury (1920-2012), amerik. Schriftsteller)

Aber was ist euer Ziel? Was sollte das Ziel eines Autors sein?

Start und Ziel

Bildquelle: http://www.adpic.de/lizenzfreie_bilder/suche/adpic/Start_und_Ziel_107079.html